🛡️ SICHERHEIT AM NIEDERRHEIN

Studien & Dokumentationen

Ergebnisse von Studien, Analysen, Untersuchungsberichte, Dissertationen

Auswahl über vorhandene Gutachten, Risiko-Studien, Dissertationen etc.

Die zusammengestellten Amtliche Quellen zeigen, dass Hochwasserschutz, Bergbaufolgen, Grundwasserhaltung, kritische Infrastrukturen und grenzüberschreitende Verkehrswege am Niederrhein keine erst heute entstandenen Fragestellungen sind.


Über Jahrzehnte hinweg haben Behörden, Wissenschaft und Bürgerinitiativen Risiken untersucht
und Lösungsansätze entwickelt.

Was wussten wir – und seit wann?
Die Gefährdung des Niederrheins ist nicht erst heute bekannt. Seit Ende der 1990er-Jahre haben Studien, amtliche Untersuchungen, europäische Vorgaben und nationale Programme wesentliche Risiken beschrieben. Die folgende chronologische Übersicht zeigt, welche Erkenntnisse bereits vorlagen und wie sich daraus die Anforderungen an Vorsorge, Hochwasserschutz und Risikomanagement weiterentwickelt haben.

 

Dieses vorhandene Wissen sollte deshalb nicht in Vergessenheit geraten, sondern als Grundlage für heutige Entscheidungen zur langfristigen Sicherung des Lebensraums Niederrhein genutzt werden.

Amtliche Grundlagen und Studien zum Hochwasserrisiko am Niederrhein

Jahr

Quelle / Studie

Gegenstand

Bedeutung für den Niederrhein

1999/2000

Hochwasserfibel NRW – Bauvorsorge in hochwassergefährdeten Gebieten

Möglichkeiten der baulichen Vorsorge und Schadensminderung bei Hochwasser.

Zeigt: Hochwasserschutz endet nicht am Deich. Auch Bauvorsorge und Eigenvorsorge gehören zur Risikominderung.

2000

Forschungsstudie „Potenzielle Hochwasserschäden am Rhein in NRW“

Untersuchung und räumliche Bewertung möglicher Hochwasserschäden entlang des Rheins in NRW.

Macht die außergewöhnlich hohen Schadenspotenziale am Niederrhein sichtbar und ermöglicht die Betrachtung einzelner Schadensarten und betroffener Räume. Die Studie ist auch in Ihrer bisherigen Quellensammlung aufgeführt.

2001

POLDEVAC – Informationsbedarf bei Hochwasserlagen

Untersuchung von Informations-, Entscheidungs- und Evakuierungsproblemen bei Hochwasserlagen.

Ergänzt die technischen Betrachtungen um die Frage: Wie können Bevölkerung, Behörden und Einsatzkräfte in einer außergewöhnlichen Hochwasserlage tatsächlich handeln?

2004

„Grenzüberschreitende Auswirkungen von extremem Hochwasser am Niederrhein“ – Deutsch-Niederländische Arbeitsgruppe Hochwasser

Untersucht extreme Rheinabflüsse, Leistungsfähigkeit des Deichsystems, Überströmungen, Überflutungsräume sowie die Wirkung wasserstandsreduzierender Maßnahmen.

Für den Niederrhein besonders wichtig: Die Studie betrachtet ausdrücklich, was geschieht, wenn extreme Abflüsse nicht mehr zwischen den Deichen abgeführt werden können und welche Gebiete hinter den Deichen betroffen wären.

2007

EU-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie 2007/60/EG

Schafft einen europäischen Rahmen zur Bewertung und zum Management von Hochwasserrisiken. Schutzgüter sind insbesondere menschliche Gesundheit, Umwelt, Kulturerbe und wirtschaftliche Tätigkeiten.

Hochwasserschutz wird damit ausdrücklich als Risikomanagement verstanden: Gefahren und mögliche Folgen müssen ermittelt, dargestellt und durch Managementmaßnahmen vermindert werden.

2007/2011 ff.

Schutz Kritischer Infrastrukturen (KRITIS)

Schutz von Einrichtungen und Organisationen, deren Ausfall erhebliche Folgen für Staat, Gesellschaft und Versorgung hätte.

Für tiefliegende bzw. bergbaubedingte Polder besonders relevant: Stromversorgung, Pumpwerke, Wasser-/Abwasseranlagen, Verkehrswege, Kommunikation und Notversorgung müssen auch im Extremfall betrachtet werden.

2014

Nationales Hochwasserschutzprogramm (NHWSP)

Bund und Länder bündeln erstmals bundesweit prioritäre, überregional wirksame Hochwasserschutzmaßnahmen. Beschluss der Umweltministerkonferenz am 24. Oktober 2014.

Unterstreicht die Notwendigkeit, Hochwasserschutz über kommunale und Ländergrenzen hinweg zu betrachten. Die Maßnahmenliste wird fortgeschrieben.

Extreme Abflüsse, nach KLIMA-Prognosen wahrscheinlicher denn je!

Standort: Rheinpromenade Stadt Wesel

Prof. Dr. Andreas Schumann, Uni Bochum: „Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser“ Rubin 2004 RUBIN-beitrag5

Bypass am Niederrhein: Antwort von Prof. Dr. Andreas Schumann Bypass am Niederrhein

Teilbericht extreme Hochwasserlagen Teilbericht extr. HW-Lagen

VORSORGE, Die Hochwasserfibel  – Studie Grenzübeschreitende Hochwasserfolgen in NRW

Studie: Bewertung von Hochwasserfolgen

Rheinische Reflexionen: Ein Siegelbild von Erkenntnissen im Buchformat.

Ein Sachbuch aus Xanten über den Niederrhein – warum ist es vor Ort kaum sichtbar?

Weitere Karten, Erläuterungen und Zusammenhänge finden sich in unserem Sachbuch „Rheinische Reflexionen“.

Ministeriumsbericht 2004: Erkenntnisse zum Extremhochwasser am Niederrhein

Das NRW-Umweltministerium informierte den Landtag im Oktober 2004 über die Ergebnisse der deutsch-niederländischen Studie „Grenzüberschreitende Auswirkungen von extremem Hochwasser am Niederrhein“ von 2004.

Die Untersuchung zeigte, dass im Rheineinzugsgebiet Niederschlagsereignisse auftreten können, bei denen das geltende Bemessungshochwasser deutlich überschritten wird. In einem solchen Extremfall könnten insbesondere am Oberrhein und am südlichen Niederrhein Deiche überströmt werden oder versagen. Durch dadurch entstehende Überflutungen würde der Hochwasserscheitel flussabwärts allerdings reduziert.

Für den nördlichen Niederrhein wurde angenommen, dass ein Abfluss von bis zu etwa 16.000 m³/s am Pegel Lobith beherrscht werden könne – ausdrücklich jedoch nur unter der Voraussetzung, dass kein Deichversagen eintritt. Gleichzeitig stellte das Ministerium fest, dass dabei das vorhandene Freibord in erheblichem Umfang beansprucht würde.

Die Studie untersuchte außerdem, welche Gebiete bei einem Deichversagen zuerst überflutet würden, wie sich die Überflutungen ausbreiteten und welche Straßen und Fluchtwege noch nutzbar blieben. Rückhaltemaßnahmen in Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden könnten den Wasserstand im Grenzraum und bei Bislich/Lohrwardt um bis zu rund 40 Zentimeter senken.

Aus den Erkenntnissen leitete das Land jedoch keine generelle Erhöhung der Rheindeiche ab. Stattdessen sollte den sehr seltenen Extremereignissen durch eine zielgerichtete und differenzierte Hochwassermanagementplanung begegnet werden.

Damit dokumentiert das Schreiben bereits 2004 zweierlei: Die Möglichkeit einer erheblichen Überschreitung des Bemessungshochwassers und die Folgen eines Deichversagens waren bekannt. Als Konsequenz wurde jedoch nicht ein flächendeckend höherer baulicher Schutz, sondern vor allem Vorsorge- und Hochwassermanagement vorgesehen.

Original: MUNLV-24.10.04-Abschlussbericht

Kernsätze aus der Studie, die Handlungszwänge erforderlich machen:

A) „Im heutigen Zustand kommt es bei den untersuchten extremen Hochwässern am Niederrhein ab einem Abflussbereich zwischen 11.000 bis 16.000 m3/s zu großräumigen Überflutungen. Hierbei ist der südliche Niederrhein (Bonn bis Dormagen) zuerst betroffen. Mit zunehmender Höhe des Hochwasserscheitels wird auch der mittlere Teil (Düsseldorf-Ruhrmündung überflutet.“ (Kap. 12.1)

B) „Bei Überflutungen finden hiter den deichen rheinparallele Strömungen statt. Dadurch können auch Gebiete überflutet werden, die eigentlich durch Hochwasserschutz-Einrichtungen mit höheren Schutzniveau geschützt sind.“ (Kap. 12.1)

C) „Ab Krefeld wird beim Extremhochwasser (ab 13.000 m3/s) linksrheinisch das gesammte durch Berg-Senkung betroffene Gebiet bis nach Xanten durch Überflutungen heimgesicht.“ (Kap. 9.3)

D) „Aussagen, in wie weit sch die prognostizierte Klimaveränderung auf die extremen Abflüsse im Rheineinzugsgebiet auswirken,lassen sich zur Zeit nur qualitativ treffen.Allgemein wird jedoch davon ausgegangen, dass extreme Hochwasser sowohl in der Abflusshöhe als auch in ihrer Auftretenswahrscheinlichkeit in Zukunft zunehmen werden.“ (Kap. 12.1)

Meeresspiegelanstieg – eine unterschätzte Gefahr auch für den Niederrhein?

Das Eis schmilzt immer schneller – und die Folgen reichen weit über die Küstenregionen hinaus.

Bereits 2019 warnte der Weltklimarat (IPCC) vor einer beschleunigten Eisschmelze, steigenden Meeresspiegeln und zunehmenden Folgen der globalen Erwärmung. Der beigefügte Pressebericht macht deutlich, dass diese Entwicklungen schneller voranschreiten können als lange angenommen.

Doch was bedeutet das für den Niederrhein?

Ein steigender Meeresspiegel kann langfristig auch den Wasserabfluss großer Flüsse beeinflussen. Für den Niederrhein stellt sich deshalb die Frage, welche zusätzlichen Risiken entstehen, wenn extreme Rheinhochwasser, Starkregen und die Folgen jahrzehntelanger bergbaubedingter Bodensenkungen zusammentreffen.

Besonders kritisch sind die deichgeschützten Poldergebiete, deren natürliche Entwässerung teilweise nicht mehr möglich ist und die dauerhaft auf technische Einrichtungen angewiesen sind.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Sind unsere heutigen Hochwasserschutz- und Entwässerungssysteme auch auf die langfristigen Folgen des Klimawandels ausreichend vorbereitet?

Der nachfolgende Pressebericht von 2019 ist ein wichtiger Anlass, diese Frage erneut zu stellen. Er zeigt, weshalb Klimaanpassung nicht erst beginnen darf, wenn Schäden bereits eingetreten sind.

Besondere Risiken brauchen besondere Vorsorge – auch für kommende Generationen.

Pressebericht: IPCC-2019

Wasser kennt keine politischen Grenzen – Vorsorge muss weit vorausdenken

Hirngespinst oder langfristige Herausforderung? Die Geschichte der Erde zeigt, dass Meeresspiegel und Küstenlinien keineswegs unveränderlich sind. Der heutige Klimawandel rückt Veränderungen jedoch in Zeiträume, auf die sich Gesellschaft, Raumplanung und Infrastruktur frühzeitig einstellen müssen.

Für die europäischen Tiefländer und besonders für den Niederrhein gewinnt diese Frage zusätzliche Bedeutung. Wo Bergbau den natürlichen Lebensraum dauerhaft abgesenkt und vom Schutz durch Deiche, Entwässerung und technische Systeme abhängig gemacht hat, können steigende Meeresspiegel, Rückstau in den Flüssen und extreme Wasserstände langfristig neue Risiken schaffen.

Die Grafik will deshalb weniger eine Jahreszahl vorhersagen als eine grundsätzliche Frage stellen: Wie sichern wir Lebensräume, die schon heute nur durch dauerhafte technische Vorsorge geschützt werden können, für kommende Generationen? Denn langfristige Veränderungen beginnen nicht erst dann, wenn das Wasser kommt – Vorsorge beginnt mit dem rechtzeitigen Erkennen der Entwicklung.

Meereswasser-Anstieg UNI Bremen

Prognose: Auswirkung des Meerwasseranstiegs -durch Landnahme – in Westeuropa

Einleitung zur Dissertationsschrift von Dr. Lina Schröder- Der Rhein-Maas-Schelde-Kanal (Anstoß für Planungen nach dem Ende der Braunkohle-Gewinnung im Rheinischen Revier) 379 Seiten

Wissenschaftliche Unterstützung für eine fast vergessene Verkehrsvision

Am 19. April 2016 führte unser Weg an die Universität Duisburg-Essen. Im Zusammenhang mit unserem HWS-Antrag zum Bundesverkehrswegeplan 2030 suchten wir fachliche Unterstützung für die Idee eines Teilstromkanals Niederrhein–Maas–Schelde – einer leistungsfähigen Wasserstraßenverbindung zwischen dem Niederrhein und den westlichen Seehäfen.

Ein besonderer Zufall erwies sich als Glücksfall: Frau Schröder beschäftigte sich in ihrer Dissertation gerade mit den historischen Planungen einer solchen Wasserstraßenverbindung von 1946 bis 1986. Dadurch erhielten wir wertvolle wissenschaftliche Hinweise und erfuhren, dass die Planungen keineswegs nur eine kurzfristige Vision gewesen waren. Bis 1984 wurde insbesondere von Krefelder Seite an diesem Gedanken festgehalten.

Umso bemerkenswerter bleibt aus heutiger Sicht, dass eine solche grenzüberschreitende Verkehrs- und Infrastrukturidee von der NRW-Landespolitik keine erkennbare Unterstützung erhielt. Angesichts überlasteter Straßen und Schienen, wachsender europäischer Warenströme und der notwendigen Verlagerung von Güterverkehr auf die Wasserstraße stellt sich deshalb erneut die Frage: War die damalige Vision ihrer Zeit voraus – und wäre sie heute wieder einer ernsthaften Prüfung wert?

Diverses aus der Wissenschaft

 

Diverses aus der Wissenschaft etc.

IPCC-Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme (SRCCL) 08.08.2019 Hauptaussagen_SRCCL

Dr. Walther Föhl: Der Rhein-Maas-Schelde-Kanal – Eine geschichtliche Übersicht –

ZfV_1956_Heft_4_Foehl-Rhein_Maas_Schelde_Kanal

RWTHAachen-Wirtschaftsgeographie: Seehafenvergleich Antwerpen, Hamburg, Rotterdam

Geographie-Seehafenvergleich-Antwerpen-Hamburg-Rotterdam

Vortrag: Planung und Bau des Seine-Schelde-Kanals- unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte in Frankreich und Belgien Planung Seine-Schelde-Kanal

Dr. Lina Schröder 18.10.2018: Das Wissen über Vergangenheit für das Heute nutzen NRZ Infrastrukturen

Öko-Institut e.V.: Braunkohleausstieg NRW: Welche Abbaumengen sind energiewirtschaftlich notwendig und klimapolitisch möglich? 2015-019-de_Öko_Institut_Braunkohle_final

Netzwerk Bergbaugeschädigter e.V.: Einflussbereiche der Grundwasserabsenkung (Stand ca. 2005) A3_Netzwerk_GW-Absenkung

Prof. Dr. Andreas Schumann Uni Bochum. Bypass am Niederrhein, Utopie? 13. Jul. 2004  Bypass am Niederrhein

Der Schauzwang auf Deiche und Schleuse: Die Entwicklung der Deichschauen am unteren Niederrhein vom Spätmittelalter bis zur Mitte des 17.Jahrhunderts. Johannes Schreiner 1995, 519 Seiten

     

Dombrowsky-Report von 2001 – Erkenntnisse, die bis heute aktuell geblieben sind

Was haben wir aus den Hochwassern von 1993 und 1995 gelernt – und welche Konsequenzen wurden daraus gezogen?

Nach den großen Rheinhochwassern der 1990er-Jahre beschäftigten sich zahlreiche Bürgerinitiativen, darunter BIB, SGB und unsere HWS-Initiative, intensiv mit den Schwachstellen des Hochwasser- und Katastrophenschutzes.

Der 2001 veröffentlichte Forschungsbericht „Informationsbedarf bei Hochwasserlagen“ von Dr. Wolf R. Dombrowsky, Katastrophenforschungsstelle der Universität Kiel, machte grundlegende Defizite deutlich: zersplitterte Zuständigkeiten, unzureichende Zusammenarbeit, fehlende Informationen und mangelnde Einbindung der gefährdeten Bevölkerung.

Seine zentrale Botschaft ist bis heute bedeutsam: Katastrophenschutz darf nicht erst einsetzen, wenn Schäden entstehen. Er muss durch vorausschauende Planung und wirksame Vorsorge Schäden möglichst verhindern.

Gerade für den durch Bergbau und Bodensenkungen dauerhaft veränderten linken Niederrhein erhält diese Forderung angesichts zunehmender Klimarisiken besondere Bedeutung.

Warum diese grundlegenden Erkenntnisse heute kaum noch Gegenstand einer breiten öffentlichen Diskussion sind, bleibt eine berechtigte Frage. Ebenso, welche Empfehlungen inzwischen tatsächlich umgesetzt wurden.

Mit der erneuten Veröffentlichung dieses Reports möchten wir daran erinnern: Erkenntnisse allein schaffen noch keine Sicherheit. Entscheidend sind ihre verbindliche Umsetzung, klare Verantwortlichkeiten und eine dauerhaft gesicherte Vorsorge.

Quelle: Dr. Wolf R. Dombrowsky, „Informationsbedarf bei Hochwasserlagen“, PoldEvac-Projekt, Kiel 2001. Dombrowsky-Report-D

Hochwasserschutz am Rhein – was wurde aus den Erkenntnissen von 1992?

Rückblick auf das „Gesamtkonzept Rhein in Nordrhein-Westfalen“ – und seine Bedeutung für die heutige Klimaanpassung

Bereits 1992 erkannte die Landesregierung Nordrhein-Westfalen, dass der Hochwasserschutz am Rhein grundlegend überprüft und weiterentwickelt werden musste. Vorausgegangen waren systematische Deichuntersuchungen von 1986 bis 1989, deren Ergebnisse 1990 in einem Generalplan zusammengefasst wurden.

Die damalige Studie machte die Größenordnung der Verantwortung deutlich: Rund eine Million Menschen lebten und arbeiteten in den durch Deiche geschützten Poldergebieten. Auch bedeutende Industrieanlagen und Infrastrukturen waren auf einen zuverlässigen Hochwasserschutz angewiesen.

Der damalige Umweltminister Klaus Matthiesen stellte bereits 1992 fest:

„Hochwasserschutz ist kein statischer, sondern ein dynamischer Prozeß.“

Damit war eine entscheidende Erkenntnis formuliert: Bestehende Schutzanlagen müssen fortlaufend an neue Erkenntnisse, technische Anforderungen und wachsende Risiken angepasst werden.

Doch bereits drei Jahre später, beim Rheinhochwasser 1995, zeigte sich erneut die gewaltige Bedrohung durch extreme Wasserabflüsse. Die Ereignisse und die anschließenden Untersuchungen führten zu einer weitergehenden Diskussion über Sicherheitsstandards, Verantwortlichkeiten und notwendige Vorsorgemaßnahmen. Der Dombrowsky-Report von 2001 und die Festlegung des BHQ2004 stehen in diesem späteren Entwicklungszusammenhang.

Aus heutiger Sicht bleibt eine wesentliche Schwachstelle: Die Studie von 1992 betrachtete Hochwasserschutz, Ökologie und Schifffahrt gemeinsam. Die dauerhafte Sicherstellung von Zuständigkeiten, Finanzierung und Umsetzung stand jedoch nicht in gleicher Weise im Mittelpunkt. Die Studie verstand sich ausdrücklich als Grundlage für weitere Planungen, nicht als verbindlicher Maßnahmenplan.

Gerade für den durch Bergbau und Bodensenkungen veränderten linken Niederrhein stellt sich deshalb heute eine grundsätzliche Frage:

Warum sind mehr als drei Jahrzehnte nach diesen Erkenntnissen die langfristige Sicherheit der betroffenen Lebensräume, die Finanzierung notwendiger Schutzmaßnahmen und die verbindliche Verantwortung für deren Umsetzung noch immer Gegenstand politischer Auseinandersetzungen?

Das Klimaanpassungsgesetz NRW bietet nun die Gelegenheit, aus früheren Erkenntnissen verbindliche Konsequenzen zu ziehen.

Der Bericht von 1992 ist deshalb mehr als ein historisches Dokument. Er erinnert daran, wie lange die Notwendigkeit vorausschauenden Handelns bereits bekannt ist.

Dokument: Stresstest 1-1992