🛡️ SICHERHEIT AM NIEDERRHEIN

Risikogebiete – Senkungen & Stauwasser & Schäden

Dokumentation, Sachstand & Sachinformationen

Risikogebiete am Niederrhein

Der Niederrhein ist ein Lebensraum, in dem sich natürliche Gefahren, Folgen des Klimawandels und jahrzehntelange menschliche Eingriffe überlagern. Hochwasser und Starkregen, bergbaubedingte Bodensenkungen und Veränderungen des Wasserhaushalts, aber auch die dauerhafte Abhängigkeit von Deichen, Entwässerungssystemen und technischen Schutzmaßnahmen bilden ein besonderes Risikogefüge. Viele dieser Faktoren wirken nicht für sich allein, sondern können sich gegenseitig verstärken.

Risikogebiet bedeutet deshalb: Vorsorge muss dort beginnen, wo erkennbare Gefahren zusammentreffen und nicht erst, wenn Schäden eingetreten sind.

NRW im Blick

Umwelt im Wandel verstehen – Risiken erkennen, bevor Schäden entstehen.

Der Niederrhein ist ein Lebensraum, dessen Sicherheit zunehmend durch das Zusammenwirken von Klimawandel, extremen Rheinhochwässern, Starkregen und den dauerhaften Folgen des Untertagebergbaus beeinflusst wird.

Besonders kritisch sind die durch Bergsenkungen entstandenen, teilweise abflusslosen Poldergebiete. Hier ist die Entwässerung vielfach nur noch durch dauerhaft betriebene technische Anlagen möglich. Versagen diese oder werden Deiche überströmt, können großflächige Überflutungen entstehen, aus denen das Wasser nicht mehr auf natürlichem Wege abfließen kann.

Die Grafik der Hochwasser- und Infrastruktur-Schutzinitiative (HWS) aus dem Jahr 2023 verdeutlicht, wie sich unterschiedliche Gefahren gegenseitig verstärken können. Sie macht zugleich auf Defizite bei Vorsorge, Risikobewusstsein und politischem Handeln aufmerksam.

Dabei geht es nicht allein um Hochwasserschutz, sondern um eine grundsätzliche Frage:

Wie lange können wir uns darauf verlassen, dass unser Lebensraum sicher bleibt, wenn bekannte Risiken nicht rechtzeitig durch wirksame Schutzmaßnahmen begrenzt werden?

Die Darstellung soll dazu anregen, die eigene Wohn- und Lebenssituation bewusster zu betrachten und zu erkennen, warum vorausschauende Klimaanpassung, verlässliche Schutzsysteme und dauerhaft gesicherte Verantwortlichkeiten für unsere Zukunft unverzichtbar sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

Hochwasserrisiko am Rhein – Schäden treffen Regionen unterschiedlich

Bereits die damaligen Untersuchungen zu den potenziellen Hochwasserschäden am Rhein in Nordrhein-Westfalen machten deutlich, dass Hochwasser nicht überall dieselben Folgen hat. Entscheidend sind neben der Besiedlungs- und Industriedichte auch die Geländestruktur, bergbaubedingte Veränderungen, landwirtschaftliche Nutzung sowie Standorte mit wassergefährdenden Stoffen.

Besonders kritisch ist der mittlere Niederrhein: Hier treffen eine hohe Bevölkerungs- und Arbeitsplatzdichte, Industrieanlagen und wassergefährdende Stoffe auf einen durch den Bergbau teilweise dauerhaft veränderten Wasser- und Landschaftshaushalt. In Senkungsgebieten können Schäden zudem eine langfristige Dimension erhalten, weil Entwässerung und Grundwasserregulierung dauerhaft technisch gesichert werden müssen.

Die Grafik verdeutlicht deshalb eine bis heute wichtige Erkenntnis: Hochwasservorsorge darf sich nicht allein an der Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses orientieren. Ebenso berücksichtigt werden müssen das mögliche Schadensausmaß und die besondere Verletzlichkeit eines dauerhaft veränderten Lebensraumes.

Wenn Wasser nicht mehr abfließen kann – besondere Gefährdung der Poldergebiete

Die Studie von 2004 zeigt, welche Gebiete bei Deichüberströmung oder Deichbruch durch extreme Rheinabflüsse überflutet werden können. Besonders gravierend ist die Situation dort, wo diese Überflutungsräume zugleich durch Bergbau abgesenkte und dauerhaft entwässerungsabhängige Poldergebiete sind.

Die Gefährdung geht jedoch nicht allein vom Rhein aus. Auch extremer Starkregen kann große Wassermengen in diese tief liegenden Räume eintragen. Hinter den Deichen fehlt ein natürlicher Abfluss zum Rhein; das Wasser muss daher technisch bewirtschaftet und abgeführt werden. Damit wird die Frage entscheidend: Wie kann ein einmal gefüllter Polder sicher und rechtzeitig wieder entwässert werden?

Treffen Hochwasser, Starkregen, bergbaubedingte Bodensenkungen und ein Ausfall oder eine Überforderung der technischen Wasserhaltung zusammen, entsteht eine außergewöhnliche Gefährdung für Bevölkerung, Infrastruktur und Lebensraum. Denn mit fortschreitenden Senkungen wächst zugleich die dauerhafte Abhängigkeit von Grundwasserregulierung, Pumpwerken und gesicherter Entwässerung.

Die Konsequenz ist weitreichend: Für diese Gebiete genügt klassischer Deichschutz allein nicht. Erforderlich ist eine Vorsorgestrategie, die auch Stauwasserbeseitigung, Polderentleerung, Starkregen, technische Redundanz und die langfristige Sicherung der Wasserhaltung berücksichtigt. Andernfalls stellt sich im Extremfall nicht nur die Frage nach Schäden, sondern nach der dauerhaften Bewohnbarkeit und Funktionsfähigkeit eines ganzen Lebensraumes.

Potenzielle Überschwemmungsgebiete: Prognose zum Hochwasser 1926, bezug BHW 1977, Retentionsräume lt. Sudie von 2004 (ohne eine Überschwemmungs-Bilanz nach BHQ2004 – unter Bezugnahme der Retentionsräume unter Bergbaueinfluss)

Von „Bemessungswasser-Höhen“ abhängiger Umfang der Retentionsräume (potenzielle Überflutungsgebiete am Niederrhein)

Potenzielle Überschwemmungsgebiete Stand 1990

Ausschnitt aus dem digitalen Kartenwerk

Die Aussagekraft der unterschiedlichen Höhenlagen wird besonders in den digitalen Karten deutlich, die ursprünglich zu den Studienergebnissen von 2004 gehörten. Das detaillierte Kartenwerk ermöglichte eine außergewöhnlich genaue Betrachtung der topografischen Verhältnisse und potenziellen Überflutungsbereiche am linken Niederrhein.

Der HWS verfügt über eine damals offiziell bezogene digitale Fassung dieses Kartenmaterials. Sie bildet die Grundlage für weitere Detaildarstellungen und Auswertungen.

Weitere Karten, Erläuterungen und Zusammenhänge finden sich in unserem Sachbuch „Rheinische Reflexionen“.

100 Jahre Salzbergbau – ein Lebensraum verändert sich weiter

Die vier Grafiken zeigen eine Entwicklung, deren Bedeutung weit über den eigentlichen Salzabbau hinausgeht. Unter dem linken Niederrhein erstreckt sich eine mächtige Salzlagerstätte. Seit rund 100 Jahren wird im Raum Borth Steinsalz gewonnen; inzwischen ist das Salzbergwerk Borth das letzte noch produzierende Bergwerk am Niederrhein.

Die Folgen reichen bis an die Erdoberfläche. Durch den untertägigen Abbau entstehen großräumige und über Jahrzehnte fortwirkende Bodensenkungen. Auch K+S weist darauf hin, dass solche Senkungen auf Gebäude, Rohrleitungen und insbesondere Deiche einwirken und ohne entsprechende Vorsorgemaßnahmen deren Funktion beeinträchtigen können.

Mit der 2025 erfolgten Zulassung weiterer Abbaufelder soll der Salzabbau bis mindestens 2050 fortgeführt werden. Die neuen Bereiche liegen unter anderem südlich von Xanten sowie zwischen Alpen und Wallach. Damit stellt sich für einen bereits durch Bergbau und Wasserwirtschaft tiefgreifend veränderten Raum eine grundsätzliche Frage: Wie weit darf eine weitere dauerhafte Veränderung der Geländeoberfläche reichen, wenn gleichzeitig Hochwasser-, Grundwasser-, Infrastruktur-, Denkmal- und Lebensraumschutz langfristig gewährleistet werden müssen?

Gerade im Raum Xanten–Birten, einer historisch gewachsenen Kulturlandschaft mit wertvoller Bebauung und empfindlicher Hochwasserschutzinfrastruktur, darf deshalb nicht allein gefragt werden, ob einzelne Bergbaufolgen technisch beherrschbar erscheinen. Entscheidend ist die Gesamtwirkung auf einen über Generationen zu sichernden Lebensraum. Der Betreiber vertritt die Auffassung, die Senkungen seien zuverlässig prognostizierbar und notwendige Deicherhöhungen technisch umsetzbar. Die Grafiken machen zugleich sichtbar, warum aus Sicht der betroffenen Region eine weitergehende Frage berechtigt bleibt:

Verhindert unser Vorsorgerecht neue Risiken – oder organisiert es vor allem den späteren Umgang mit den Folgen bereits zugelassener Eingriffe?

Voraussichtliche Senkungsentwicklung

Die Auswirkungen der bergbaubedingten Senkungen reichen weit über die eigentliche Abbauzeit hinaus. Mit einer vollständigen Bergruhe wird teilweise erst bis etwa 2200 gerechnet. Senkungsschwerpunkte entwickeln sich insbesondere im Raum Menzelen – Büderich – Birten. Dort werden langfristig Geländeabsenkungen von bis zu etwa 4,5 Metern gegenüber der ursprünglichen Geländehöhe prognostiziert.

Jahrzehntelange Schwachstelle am Banndeich Xanten-Birten

Die Grafik verdeutlicht eine außergewöhnliche Konfliktlage am linksrheinischen Banndeich in Xanten-Birten. Hier treffen auf engem Raum der Hochwasserschutz, die unmittelbar angrenzende B 57, der Polder der Bislicher Insel und die langfristigen Folgen des Steinsalzbergbaus aufeinander.

Bereits vor rund 25 Jahren wurde der Deichabschnitt durch eine Spundwand gesichert. Nach der heutigen Planung soll diese Konstruktion aufgrund der zu erwartenden weiteren bergbaubedingten Bodensenkungen durch eine mehrere Meter hohe Stahlbetonwand ergänzt bzw. erhöht werden. Damit wird sichtbar, welche Folgen es hat, wenn ein bestehendes Hochwasserschutzsystem fortlaufend an einen sich weiter absenkenden Untergrund angepasst werden muss.

Besonders kritisch ist der historische Vergleich: Beim Hochwasser 1925/26 wurde der Raum Xanten–Rheinberg bereits großflächig überflutet. Heute besteht jedoch eine wesentlich veränderte Ausgangslage. Mehr als 100 Jahre Bergbau haben Teile des linksrheinischen Poldergebietes dauerhaft abgesenkt; zugleich sind Besiedlung, Infrastruktur und Schadenspotenzial erheblich gewachsen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht allein, wie hoch eine Betonwand gebaut werden muss, sondern ob diese Form der nachträglichen Anpassung angesichts weiterer Bodensenkungen eine dauerhaft sichere und nachhaltige Hochwasserschutzlösung darstellen kann. Gerade an dieser Stelle zeigt sich, dass Bergbaufolgen, Hochwasserschutz, Verkehrsweg und Poldersicherheit nicht getrennt voneinander betrachtet werden dürfen.

Die Grafik steht damit beispielhaft für eine grundsätzliche Aufgabe am linken Niederrhein: Hochwasserschutz muss nicht nur dem heutigen Zustand, sondern auch den langfristigen Folgen eines dauerhaft abgesenkten Lebensraumes Rechnung tragen.

Konflikt-Linien bedeutet, dass das bisherige Hochwasserschutzmaß seit vielen Jahren als „unterschritten“ gilt und durch die NRW-Regierung die Banndeichlinie bis an die Bundesstraße B57 verlegt wurde.

1926 – Hochwasser traf eine Landschaft.

Das Hochwasser von 1925/1926 erinnert daran, wozu der Rhein schon damals fähig war. Beim Deichüberlauf im Raum Wesel-Werrich/Xanten wurden weite Bereiche des Polders bis in Richtung Rheinberg überflutet. Damals stand dieser Lebensraum jedoch noch am Anfang tiefgreifender bergbaulicher und wirtschaftlicher Veränderungen.

Hundert Jahre später ist die Ausgangslage eine andere: Jahrzehnte des Steinkohle- und Steinsalzbergbaus haben die Höhen- und Grundwasserverhältnisse dauerhaft verändert. Teile der Region liegen infolge von Bergsenkungen viele Meter tiefer; besiedelte Gebiete sind teilweise auf eine dauerhaft funktionierende Grundwasserregulierung und Entwässerung angewiesen. Gleichzeitig haben Besiedlung, Wirtschaftsleistung und technische Infrastruktur erheblich zugenommen.

Damit geht es heute nicht allein um die Frage, ob sich ein Hochwasser wie 1926 wiederholen kann. Entscheidend ist vielmehr:

Welche Folgen hätte ein vergleichbares oder noch größeres Extremereignis heute für einen durch Bergbau dauerhaft veränderten, dicht besiedelten und von technischen Schutzsystemen abhängigen Lebensraum?

Deichbruch – Wenn aus Fachinformationen ein Gesamtbild entsteht

Was würde geschehen, wenn am linken Niederrhein ein Deich überströmt oder bricht? Diese Frage beschäftigte uns bereits 2004 und wurde später, unter anderem 2014 in einem Video, erneut aufgegriffen.

Eine einfache Antwort gab es nicht. Informationen zu Rheinabfluss, Deichhöhe, Bruchbreite, Strömung, Bergsenkungsgebieten und möglichen Einstauflächen lagen zwar teilweise vor, mussten aber erst in einen verständlichen funktionellen Zusammenhang gebracht werden. Als damaliger Vorsitzender des HSV-N habe ich deshalb versucht, die unterschiedlichen Fachinformationen zu einem möglichen Worst-Case-Szenario zusammenzuführen.

Die Darstellung erhebt nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Hochwassersimulation. Sie sollte vielmehr sichtbar machen, welche Abläufe und Abhängigkeiten bei einem Deichversagen zu bedenken sind: Wo strömt das Wasser ein? Wie verteilt es sich? Welche tieferliegenden Gebiete können sich füllen – und wie beziehungsweise wohin kann dieses Wasser anschließend wieder abfließen?

Gerade diese Zusammenhänge sind entscheidend. Die vielen Zahlen und technischen Angaben sollten deshalb nicht isoliert, sondern als Teile einer Wirkungskette gelesen werden. Das Video und die ergänzende technisch-funktionelle Erläuterung sollen helfen, diese Kette Schritt für Schritt nachvollziehbar zu machen.

Die damalige Kernfrage ist bis heute aktuell: Sind die besonderen Folgen eines Deichversagens in einem durch Bergsenkungen dauerhaft veränderten Lebensraum ausreichend untersucht und bei der Vorsorge berücksichtigt?

Video-System-Abspielzeit: 2:54s

Wenn aus Unsicherheit ein Risiko wird: Deichbruch-Szenario
Extremereignisse lassen sich nicht exakt vorausberechnen. Die dargestellten Berechnungen zeigen deshalb anhand angenommener Wasserstände, Bruchbreiten, Strömungsgeschwindigkeiten und Überflutungsflächen, welche Größenordnung ein Deichversagen erreichen könnte. Sie machen sichtbar, wie aus einzelnen Unsicherheiten eine großräumige Gefährdung entstehen kann – und warum Hochwasserschutz auch das denkbare Versagen von Schutzanlagen berücksichtigen muss. Extremereignisse lassen sich nicht exakt vorausberechnen. Die dargestellten Berechnungen zeigen deshalb anhand angenommener Wasserstände, Bruchbreiten, Strömungsgeschwindigkeiten und Überflutungsflächen, welche Größenordnung ein Deichversagen erreichen könnte. Sie machen sichtbar, wie aus einzelnen Unsicherheiten eine großräumige Gefährdung entstehen kann – und warum Hochwasserschutz auch das denkbare Versagen von Schutzanlagen berücksichtigen muss.

Das Steinkohle-Land / Das Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet – wenn technischer Schutz zur Daueraufgabe wird

Mehr als 150 Jahre Steinkohlenbergbau haben das Ruhrgebiet geprägt und wesentlich zur Industrialisierung, wirtschaftlichen Entwicklung und zum Wohlstand Deutschlands beigetragen. Doch mit dem Ende des Bergbaus im Jahr 2018 endeten seine Folgen nicht.

Durch den Kohleabbau haben sich große Teile der Erdoberfläche dauerhaft abgesenkt – örtlich um bis zu 25 Meter. Dadurch entstanden sogenannte Poldergebiete, aus denen Niederschlags-, Grund- und Oberflächenwasser nicht mehr überall auf natürlichem Wege abfließen können. Ohne Pumpwerke, regulierte Gewässer und Deichanlagen würden deshalb weite Bereiche vernässen oder überflutet werden. Im Ruhrgebiet muss jährlich mehr als eine Milliarde Kubikmeter Wasser bewegt werden.

Die WAZ-Grafik macht damit eine grundlegende Folge des Bergbaus sichtbar: Wo der Mensch die natürliche Geländestruktur dauerhaft verändert hat, wird auch die technische Sicherung des Lebensraums zu einer dauerhaften Aufgabe.

Diese sogenannten Ewigkeitsaufgaben umfassen insbesondere die Grubenwasserhaltung, Poldermaßnahmen und teilweise die Grundwasserreinigung. Ihre Finanzierung ist über die RAG-Stiftung organisiert; die wasserwirtschaftlichen Aufgaben werden unter anderem von RAG sowie den zuständigen Wasserverbänden wahrgenommen.

Für Politik und öffentliche Vorsorge ergibt sich daraus jedoch eine weitergehende Sicherheitsfrage: Was geschieht, wenn eine für den Lebensraum unverzichtbare technische Infrastruktur ausfällt? Pumpwerke, Energieversorgung, Steuerungs- und Überwachungssysteme dürfen nicht allein für den Normalbetrieb ausgelegt sein. Erforderlich sind dauerhafte Wartung und Erneuerung, Redundanzen, Ersatzsysteme, Notstromversorgung sowie Vorsorge für Hochwasser, Starkregen und andere außergewöhnliche Belastungssituationen. Bei der Grubenwasserhaltung werden beispielsweise redundante Pumpensysteme eingesetzt, sodass im Störungsfall eine andere Pumpe übernehmen kann.

Die eigentliche Botschaft der Grafik reicht deshalb weit über das Ruhrgebiet hinaus: Eine durch Bergbau dauerhaft veränderte Landschaft bleibt auch nach dem Ende der Rohstoffgewinnung auf technische Schutzsysteme angewiesen. Aus einer wirtschaftlichen Epoche ist eine generationenübergreifende Verantwortung geworden.

Gerade darin sehe ich auch die Verbindung zu Ihrem Thema am Niederrhein: Die entscheidende Frage lautet nicht nur, wer die Pumpen heute betreibt, sondern wie Staat und Verantwortliche sicherstellen, dass lebensnotwendige technische Systeme auch in Jahrzehnten und unter außergewöhnlichen Bedingungen zuverlässig funktionieren.

Bergbau endet – seine Folgen nicht. Wo ein Lebensraum dauerhaft von Pumpen und technischen Schutzsystemen abhängig geworden ist, muss auch seine Sicherheit dauerhaft gewährleistet sein.

Bergbaufolgen für die Ewigkeit – ein Deutschlandfunk-Bericht, der nichts an Bedeutung verloren hat

Was bleibt, wenn der Bergbau geht? Dieser Frage widmete sich der Deutschlandfunk bereits am 13. Juli 2008 in seiner eindrucksvollen Reportage „Abgesackt“ von Monika Seynsche.

Der Bericht macht deutlich, wie der jahrhundertelange Bergbau das Ruhrgebiet und den linken Niederrhein dauerhaft verändert hat. Ganze Landschaften sind abgesunken, natürliche Wasserabflüsse unterbrochen und zahlreiche Siedlungsgebiete auf den ununterbrochenen Betrieb von Pumpanlagen angewiesen.

Besonders aufschlussreich sind die Aussagen von Fachleuten der Bergbehörden, der Wasserwirtschaft und der RWTH Aachen. Sie verdeutlichen, dass die Folgen des Bergbaus mit der Stilllegung der Zechen keineswegs beendet sind.

Der Bericht beschreibt auch ein besonders bedrohliches Szenario: Bei einem Rheindeichbruch könnten große, bergbaubedingte Senkungsgebiete überflutet werden, ohne dass das eingedrungene Wasser auf natürlichem Wege wieder abfließen kann. Die vorhandenen Pumpanlagen wären für solche Wassermassen nicht ausgelegt.

Was bedeutet das für die Menschen, ihre Wohnungen, ihr Eigentum und die langfristige Sicherheit ihrer Heimat?

Gerade unter den heutigen Anforderungen der Klimaanpassung gewinnt diese Frage zusätzliche Bedeutung. Der Bericht zeigt, dass viele Risiken seit Jahrzehnten bekannt sind.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Welche Konsequenzen wurden aus diesen Erkenntnissen gezogen – und welche verbindlichen Vorsorgemaßnahmen fehlen bis heute?

Ein lesenswerter Rückblick, der zugleich zum Nachdenken über unsere Zukunft anregt. Deutschlandfunk-Bericht

 Das Braunkohle-Gebiet  – Rheinisches Revier

Alternativer HWS-Vorschlag für einen naturnahen Zugang für Rheinwasser in die Tagebaue.

Prinzip: Wie uns die Römer oder auch Inka es uns vorgemacht haben.

Die Sturheit von RWE/Landesregierung, die der Technik vorrag einräumen, sind für zukunftssichere Vorschläge „blind“.

Zukunftsweisende Wiedernutzbarmachung der Tagebauregion

Mit dem Schreiben an RWE Power vom 29.09.2020 wurde angeregt, die spätere Befüllung und Wiedernutzbarmachung der Tagebaue Garzweiler, Hambach und Inden mit einer langfristigen Entwicklung der gesamten Region zu verbinden. Im Mittelpunkt stand die bereits früher diskutierte Idee einer Wasserstraße vom Rhein zur Maas, die zugleich wasserwirtschaftliche, infrastrukturelle und grenzüberschreitende Funktionen übernehmen könnte.

Gefordert wurde, die jahrzehntelange Tagebaufolgenbewältigung nicht nur technisch zu betrachten, sondern als Chance für eine nachhaltige Neuordnung des Lebensraums zwischen Rhein, Maas

Antwort vom Vorstandsvorsitzendem RWE-Power Dr. Frank Weigand vom 26.0kt. 22020:

RWE bewertet die Idee einer Wasserstraße Rhein–Maas grundsätzlich als interessant und nachvollziehbar, sieht jedoch wegen des vorgezogenen Kohleausstiegs und der bereits ab etwa 2030 notwendigen Rheinwasserzuführung zu den Tagebauen keine zeitliche Möglichkeit mehr, das Kanalprojekt mit der Wiedernutzbarmachung der Tagebaue zu verbinden. Stattdessen verfolgt RWE die bereits geplante Rheinwassertransportleitung.

Bemerkenswert finde ich dabei die Unterscheidung: RWE verwirft nicht die Idee einer Wasserstraße Rhein–Maas als solche, sondern vor allem deren zeitliche Verknüpfung mit der Tagebau-Wiedernutzbarmachung. Das ist für eine sachliche Darstellung des damaligen Schriftwechsels ein wichtiger Unterschied.

Gebiet des Rheinischen Reviers, die durch den bisherigen Braunkohle-Tagebau durch die Grundwasserabsenkung weitestgehend trocken gelegt wurde.

Das s. g. Sümpfungswasser wird zur Einspeisung in die Niers und zur Trinkwasssernutzung der Bewohner verwendet. Ein Nebeneffekt ist, dass durch die Trockenlegung tiefer Erdschichten, die Geländeoberfläche z. T. mehrere Meter absinkt.

Leitentscheidungen: Strategien im Zusammenhang mit der Beendigung der Braunkohle-Gewinnung im Rheinischen Revier

Leitentscheidung 2021 – Bergbaufolgen, Wasserhaushalt und Zukunftsvorsorge

Kernaussage:

Die Leitentscheidung betrachtet das Ende des Braunkohleabbaus nicht als Ende der bergbaulichen Folgen. Vielmehr beginnt damit eine jahrzehntelange Phase der Wiedernutzbarmachung und wasserwirtschaftlichen Neuordnung. Besonders die Restseen, der Grundwasserwiederanstieg und die notwendige Rheinwasserzuführung machen deutlich, dass die Folgen des Bergbaus weit über das eigentliche Ende der Kohleförderung hinausreichen.

Die wesentlichen Aussagen:

  • Strukturwandel und Zukunftsräume: Die ehemaligen Bergbauregionen sollen zu nachhaltigen Lebens-, Wirtschafts- und Entwicklungsräumen umgestaltet werden. Kommunen und Region sollen ihre Zukunftsvorstellungen frühzeitig in die Planungen einbringen.

  • Industrie, Energie und Mobilität: Das Rheinische Revier soll sich zu einer nachhaltigen Industrie-, Energie- und Mobilitätsregion entwickeln. Erneuerbare Energien, Wasserstofftechnologie und neue Mobilitätslösungen erhalten dabei besondere Bedeutung.

  • Rekultivierung und Flächennutzung: Bergbaulich beanspruchte Flächen sollen wieder nutzbar gemacht werden. Landwirtschaft, Natur- und Landschaftsschutz, Infrastruktur sowie neue wirtschaftliche Nutzungen sind miteinander abzustimmen.

  • Tagebaurestseen: In Garzweiler, Hambach und Inden entstehen große Restseen. Ihre Befüllung soll möglichst innerhalb von etwa 40 Jahren nach Ende der Braunkohleförderung erfolgen. Wasserqualität, Böschungsstabilität, Grundwasserverhältnisse und spätere Nutzung sind dabei langfristig sicherzustellen.

  • Rheinwasser für Garzweiler und Hambach: Die Restseen Garzweiler und Hambach sowie die Grundwasserkörper sollen durch Rheinwasser aufgefüllt werden. Hierfür sind Transportleitungen vorgesehen. Auch bei Niedrigwasser des Rheins soll eine ausreichende Versorgung berücksichtigt werden.

  • Wasserhaushalt als Langzeitaufgabe: Der jahrzehntelange Tagebau hat tiefgreifend in Grundwasser, Fließgewässer und Feuchtgebiete eingegriffen. Nach Ende der Sümpfung wird die Wiederherstellung stabiler Grundwasserverhältnisse mehrere Jahrzehnte dauern. Bis dahin bleiben wasserwirtschaftliche Stützungsmaßnahmen erforderlich.

  • Trink-, Öko-, Ausgleichs- und Ersatzwasser: Die Versorgung von Bevölkerung, Natur und Gewässern muss auch während des Grundwasserwiederanstiegs gesichert werden. Die Entwicklung soll durch ein langfristiges Monitoring begleitet werden.

  • Erft und Gewässersystem: Auch die Erft muss an die veränderten Wasserverhältnisse nach dem Tagebau angepasst werden. Der spätere Abfluss der Restseen und die daraus entstehenden wasserwirtschaftlichen Veränderungen sind dauerhaft zu berücksichtigen.

WAS beschert uns die Braunkohle noch?

Eine PowerPoint Präsentation von der GRÜNEN-Fraktion im NRW-Landtag von 2015:

BK-BraunkohleKrischer